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Kleiner Ernüchterungsthread🧵 für Freunde der Energiewende: Das Problem "Energiewende" hat eine Größenordnung von 150 AKW, das sind rund 190 GW Durchschnittsleistung. 30GW haben die Erneuerbaren 2023 geliefert, bleiben also noch 160GW.
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Der kostenoptimale Windanteil liegt ca. bei 60%, also müssen noch rund 90GW Windenergie her - Durchschnittsleistung wohlgemerkt! Wenn wir das aktuelle Offshore/Onshore Verhältnis anwenden, dann müssen 70 GW davon auf Land gebaut werden.
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Mit einem Kapazitätsfaktor von 20% hochgerechnet wären das 350 GW installierte Leistung. Macht 70.000 Windräder zu je 5MW (Stand der Technik). Viel Spaß beim Aufstellen - die Leute haben jetzt schon keinen Bock mehr. Hier ging es um gerade mal 10 Anlagen: https://www.sueddeutsche.de/bayern/mehring-bayern-windraeder-energiewende-aiwanger-buergerentscheid-1.6340304
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Aber bestimmt ticken die Menschen in anderen Ländern ganz anders und stellen sich zu den Windrädern, die sie für den Eigenbedarf brauchen, gerne noch ein paar Zehntausend für unseren Bedarf dazu.
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Denn die Lücke wird immer automatisch mit dem "Import Synthetischer Energieträger" gefüllt, wie z.B. die Studie "Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem" vom @FraunhoferISE eindeutig beweist:😅 https://t.co/MlXfp2UGyw
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#Flexibilitätsthread Dieser Thread wurde Ihnen verlinkt, weil Ihre Argumentation gegen AKW fehlerhaft ist. Sie sagten sinngemäß, dass AKW zu inflexibel seien und wir stattdessen flexible Kraftwerke und Verbraucher benötigen. [1/24]
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Was meinen Sie mit "flexiblen Kraftwerken"? Erdgaskraftwerke? Diese sind nicht CO2-neutral und ob sich CCS durchsetzt ist fraglich, da dies immer Mehraufwand bedeutet, also die Wirtschaftlichkeit senkt.
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Also eigentlich keine Option, wenn das Ziel ist, die CO2 Emissionen auf Null zu senken. Flexiblisierte Biogasanlagen würden helfen.
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Wenn dies DIE Lösung (und nicht nur ein Teil davon) wäre, so stellt sich die Frage, warum sie bisher nur als Grundlastkraftwerke eingesetzt werden und trotzdem weiter über neue Gaskraftwerke diskutiert wird: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/stromversorgung-bundeswirtschaftsministerium-will-den-bau-von-gaskraftwerken-foerdern/28900646.html
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Oder meinen Sie Erdgaskraftwerke, die zukünftig mit Wasserstoff betrieben werden sollen? Dann sprechen wir eher von "Speichern". In einem Punkt haben Sie Recht: Je inflexibler unsere Stromproduktion wird, desto relevanter werden Speicher und flexible Verbraucher.
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Moment mal... wird unsere Stromerzeugung inflexibler?! Flexibilität bedeutet "Anpassungsfähigkeit". Da im Stromnetz Produktion und Nachfrage stets gleich groß sein müssen, gibt es zwei Möglichkeiten gegenzusteuern, wenn Sie sich voneinander zu entfernen drohen:
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a) Anpassung der Produktion (flexible Kraftwerke & Speicher) b) Anpassung der Nachfrage Sonneneinstrahlung und Wind können naturgemäß nicht an die Nachfrage angepasst werden. Wind- und Solarenergie sind also nicht flexibel.
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Deswegen wird unsere Stromproduktion umso inflexibler, je mehr wir davon zubauen.
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Angenommen, AKW wären ebenfalls völlig inflexibel, was nicht zutrifft wie dieses Beispiel (siehe Grafik, Quelle: https://www.services-rte.com/fr/visualisez-les-donnees-publiees-par-rte/production-realisee-par-groupe.html) beweist, so wären sie dennoch wertvoll für das Stromnetz: Vorausgesetzt man hat mehrere, damit man Wartungsintervalle zwischen den Anlagen…
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…abstimmen kann und die Wartung ist gründlich, kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft Strom geliefert werden. Fachausdruck: "gesicherte Leistung".
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Während eine Flotte gut gewarteter AKW eine gesicherte Leistung von gut 90% der installierten Leistung (=Maximalleistung) hat, liegt diese bei Wind- und Solarenergie auch in Kombination bei nur 1%.
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Selbst wenn AKW nur Grundlast liefern könnten, also nicht flexibel abregelbar wären: Wäre das ein Problem? Denkanstoß: Würden Sie ein Laufwasserkraftwerk, das zwar flexibel abregelbar ist, aber auch Grundlast liefern kann, zugunsten von Wind- und Solarenergie abregeln wollen?
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Wahrscheinlich nicht. Denn warum sollten man das Wasser an der Turbine ungenutzt vorbei fließen lassen, wenn man damit genauso gut Strom produzieren könnte? Betrachten wir zwei Szenarien: a) Wind- und Solarenergie ohne gesicherte Leistung
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b) Dasselbe, PLUS AKW mit gesicherter Leistung Warum sollten Speicher und Nachfrageflexibilisierung im einem Fall helfen und im anderen nicht? Tatsächlich wird beides mit Pumpspeichern und Nachtspeicheröfen (heute Wärmepumpen) schon seit Jahrzehnten gemacht.
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Durch Wind- und Solarenergie brauchen wir MEHR davon, weil die Produktion volatiler wird. Hier sind zwei Extremfälle skizziert, um das Problem verdeutlichen:
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Je größer die Abweichung zwischen Produktion und Nachfrage ohne Gegensteuern würde, desto höher der technische Aufwand (Speicher, Nachfrageflexibilisierung) um beide aneinander anzugleichen. In der Grafik ist größere Fläche = höherer Aufwand = höhere Kosten.
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Das heißt, dass AKW *potenziell* kostensenkend wirken, selbst wenn sie vollkommen inflexibel wären, weil sie die Volatilität der Produktion verringern und so Produktion und Nachfrage näher aneinander bringen. Für abgeschriebene AKW, die für ca. 4ct/kWh...
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...liefern können (inklusive Entsorgung, sofern man die Kosten dafür nicht mutwillig in die Höhe treibt oder externe Phantasiekosten internalisiert), sollte unstrittig sein, dass sie tatsächlich kostensenkend wirken, weil Wind- und Solarenergie dies kaum unterbieten können:
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Diskussionswürdig ist nur, ob neue AKW auch dann kostensenkend wirken, wenn die Baukosten wie in Flamanville, Olkiluoto etc. ausufern.
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Der kostenoptimale Kernenergieanteil ist logischerweise umso kleiner, je teurer der Bau neuer AKW ist und natürlich existiert ein Preis, ab dem Neubauten nicht mehr kostensenkend wirken können.
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Ob Flamaville etc. bereits zu teuer sind könnten abschließend nur Modellrechnungen beantworten, die das gesamte Stromnetz z.B. im Stundentakt simulieren, so wie dies zur Bestimmung des optimalen Verhältnisses von Wind- zu Solarenergie z.B. beim @FraunhoferISE gemacht wird.
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@FraunhoferISE Leider ist die Studienlage dazu dünn, weil die Forschung den politischen Vorgaben (Ziel: 100% erneuerbare Energien, Atomausstieg) folgt. Es wird die falsche Frage gestellt, nämlich ob 100% EE möglich sind.
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@FraunhoferISE Die richtige Frage wäre: "Was ist der kostenoptimale CO2-neutrale Strommix?". Einen Hinweis, dass darin auch Kernenergie enthalten ist, liefert z.B. diese Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306261918312790
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Wenn Sie nicht extrem dünnhäutig sind und mit kleinen als Stilmittel eingesetzen Spitzen umgehen können, empfehle ich zur weiteren Vertiefung dieser Thematik mein Video. U.a. BEWEISE ich anhand einer Simulation, dass AKW den Speicherbedarf senken: https://youtu.be/F91X59ZCf9o
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Ich finde ebenfalls, dass "Kernenergie als Backup für Erneuerbare" der falsche Begriff ist. Ein "Backup" bedeutet in der IT "Sicherungskopie". Auf das Stromnetz bezogen versteht man darunter üblicherweise Reservekraftwerke, die nur produzieren, wenn die Kraftwerke, die dies...
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...eigentlich tun sollen, nicht können. Kernkraftwerke könnten dies zwar mit Einschränkungen leisten, sind dafür jedoch viel zu schade (zu teuer!) und sollten idealerweise 24/7/365 auf voller Leistung laufen. AKW sind im Mix mit EE eher dadurch wertvoll, dass sie eine ...
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...gewisse Minimalproduktion garantieren können. Dies muss nicht unbedingt die gesamte Grundlast sein! Wenn z.B. in einer Dunkelflaute die EE Produktion fast auf Null fällt, dann kann der zur Überbrückung notwendige Speicher z.B. halbiert werden, wenn z.B. AKW immerhin ...
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die Hälfte der Last stemmen können. Ich habe dazu mal einen längeren Thread geschrieben und ein recht ausführliches Video gemacht (am Ende des Threads): https://t.co/sywZ67hQoT
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