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Es gibt einen neuen @correctiv_org-Artikel von @AnnikaJoeres und zwei weiteren Journalistinnen, in dem die alte grüne Schauergeschichte von den Gefahren durch CO₂-Abscheidung und Speicherung (CCS) neu erzählt wird. Ein kurzer Faktencheck:
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Schon im ersten Absatz wird das Verpressen von CO₂ mit dem Endlagern radioaktiver Absätze assoziiert. Damit wird genau der angstmachende Ton angeschlagen, der im ganzen Artikel weiterklingt.
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Correctiv befragt fast nur Organisationen aus dem Vorfeld der Grünen bzw. Umfeld der EE-Branche. Beispiele: - IEEFA-Institut - Wuppertal-Institut - BUND - Deutsche Umwelthilfe - Greenpeace - zwei Grünen-Politiker Ist von ihnen eine neutrale Bewertung zu erwarten?
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Der erste inhaltliche Fehler: Correctiv behauptet, dass in den USA 2020 eine CO₂-Pipeline explodiert sei. In Wirklichkeit ist an der Pipeline aufgrund eines Erdrutschs eine Schweißnaht aufgerissen. Es gab keine Explosion der Pipeline. (Quelle Q1)
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Bei der statischen Auslegung der Pipeline und vor allem bei der Reaktion auf den Unfall wurden in den USA Fehler gemacht. Darauf reagiert man in den USA mit der Erarbeitung von wirksameren Sicherheitsstandards. Mit dem INHALT der Pipeline (CO₂) hatte der Riss nichts zu tun.
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Correctiv suggeriert aber eine Explosion, um damit die Gefahr durch den Inhalt der Pipeline zu dramatisieren. Kommen wir zu den technischen Regeln, die in Deutschland für solche Pipelines erarbeitet werden.
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Correctiv suggeriert, dass der technische Fachverband DVGW ein Interessenverband der Gasindustrie sei. Dazu folgende Klarstellung: Der DVGW erarbeitet Regelwerke für Trinkwasser, Gas, Wasserstoff und (neu) auch CO₂-Pipelines. Dass wir in Deutschland eine so zuverlässige …
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… Versorgung mit Trinkwasser haben, ist maßgeblich den Regelwerksblättern W (Wasser) des DVGW zu verdanken. Praktisch alle Unternehmen aus den Bereichen Trinkwasser und Gas sind Mitglied im DVGW: Weil sie damit das Regelwerk fördern und Zugang dazu erhalten. (Quelle Q2)
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Das DVGW-Regelwerk stellt für Trinkwasser und Gas den »aktuellen Stand der Technik« dar. Es gibt also keinen seriösen Anlass, aus der Mitgliedschaft von Unternehmen der Gas-, Wasserstoff- oder CO₂-Branche eine Art Lobbyismus des DVGW für niedrige Standards abzuleiten.
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Wer in diesen Branchen Anlagen oder Netze betreibt, ist natürlich Mitglied im Fachverband. Der überprüft übrigens auch die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen und zertifiziert das Technische Sicherheitsmanagement, damit wir zuverlässig mit Trinkwasser/Gas versorgt werden.
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Praktisch alle DVGW-Arbeitsblätter (also technische und organisatorische Richtlinien für Trinkwasser- und Gasversorgung) werden immer wieder überarbeitet. Das trifft erst recht auf Richtlinien in den neuen Bereichen Wasserstoff und CO₂ zu, die sich schnell entwickeln.
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Die Tatsache der Überarbeitung von Richtlinien ist also ebenfalls kein Skandal, sondern auf diesem Gebiet Normalität. Insgesamt muss man den Artikel leider als einseitig und voreingenommen einschätzen.
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Correctiv-Artikel: https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2025/04/11/co2-lager-gefahr-durch-geplante-pipeline-im-rheinland/ Quelle Q1: https://www.msema.org/news/pipe-ruptures-in-yazoo-county-dozens-hospitalized Quelle Q2: https://www.dvgw.de/leistungen/regeln-und-normen
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Falls der Artikel geändert werden sollte: Es gibt bereits einen Archiv-Link. https://web.archive.org/web/20250411141720/https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2025/04/11/co2-lager-gefahr-durch-geplante-pipeline-im-rheinland/
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Anhang 1: Hier ist ein ausführlicher Bericht über den Vorfall in den USA, in dem noch mal ausdrücklich steht: 15. Did the commodity ignite? No 16. Did the commodity explode? No https://www.phmsa.dot.gov/sites/phmsa.dot.gov/files/2022-05/Failure%20Investigation%20Report%20-%20Denbury%20Gulf%20Coast%20Pipeline.pdf
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Anhang 2: Dass mir im ersten Tweet der Tippfehler »radioaktive Absätze« durchgerutscht ist, tut mir sehr leid. Es sind natürlich radioaktive Abfälle gemeint.
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Anhang 3: Wir erfahren im Correctiv-Artikel, dass der Fachverband DVGW gerade die Auswirkungen von Begleitstoffen untersucht. Ergebnis dieser Untersuchung werden Grenzwerte für zulässige Beimischungen sein (Art der Beimischung, Quantität). Dann wird sich herausstellen, …
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… wie gut das CO₂ vor dem Einbringen in die Pipeline gereinigt werden muss. Kein Unternehmen mit Interesse an dieser Pipeline kann den Grenzwert nach oben beeinflussen. So wie heute kein Gasversorger einen niedrigeren Stand der Sicherheit von Gasnetzen durchdrücken kann.
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Ein Kernkraftwerk produziert Abwärme in der Größenordnung von 20 TWh pro Jahr. Was bedeutet das für die Energiebilanz der Erde? Schauen wir uns diese Behauptung von @rahmstorf einmal genauer an: Kann die Abwärme der Kernkraftwerke in der Bilanz eine nennenswerte Rolle spielen?
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Eine grobe ingenieurmäßige Abschätzung: Die Sonne überträgt auf einen Quadratkilometer Erde im Mittel 2 TWh Energie pro Jahr, davon etwa 1 TWh Wärmeenergie. Das Kernkraftwerk gibt also so viel Wärme ab, wie 20 km² Erdoberfläche von der Sonne erhalten.
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Die Erde hat etwa 440 aktive Kernreaktoren und 510 Mio. km² Oberfläche. Eigentlich muss man nichts weiter dazu sagen?
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Für das eher sonnenarme Deutschland würde die Abwärme des Kernkraftwerks 40 km² der deutschen Fläche entsprechen – wir erhalten verglichen mit dem weltweiten Mittel pro Quadratkilometer nur halb so viel Energie von der Sonne.
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Das bedeutet: Wenn wir die letzten sechs Kernkraftwerke noch am Netz hätten, entspräche ihre Abwärme der solaren Wärme auf 240 Quadratkilometern. Die Landesfläche beträgt 357.592 km².
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Es dürfte klar sein, dass die Kernkraftwerke verglichen mit Deutschlands natürlicher Wärmebilanz überhaupt keine Rolle gespielt haben – und in der weltweiten Klimabilanz erst recht nicht. Denn sie haben ja anders als die Kohlekraftwerke nicht nennenswert CO₂ emittiert.
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Wie kommt man auf die Schätzung der Abwärme eines Kernkraftwerks? Kernkraftwerke haben einen Wirkungsgrad von rund 33 %. Sie geben also etwa das Doppelte der erzeugten Strommenge an Wärmeenergie ab. Wenn ein Kernkraftwerk 10 TWh Strom im Jahr erzeugt, erzeugt es 20 TWh Abwärme.
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PS: Die Energie aus Sonneneinstrahlung kann man nur schätzen und sie schwankt natürlich. Die Abwärme aller heute weltweit existierenden oder geplanten Kernkraftwerke kann schon verglichen mit dem Schätzfehler vernachlässigt werden.
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Radio an: Im Deutschlandfunk @DLF wird Aktivismus gegen die Pendlerpauschale verbreitet. Der Moderator ist Stichwortgeber. Der Aktivist (vorgestellt als »Mobilitätsforscher«) verbreitet vage und teils falsche Informationen zur Pendlerpauschale und zum »Dienstwagenprivileg«.
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Hier ist seine persönliche Visitenkarte beim »Wuppertal Institut«: https://wupperinst.org/c/wi/c/s/cd/657
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Eine falsche Information war z. B.: Dass Reichere von der Pendlerpauschale stärker profitierten. Sie wird aber gar nicht einkommensabhängig gewährt.
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Hier der Titel zum eventuell später möglichen Nachhören: »Klimakiller Pendlerpauschale? – Interview mit Thorsten Koska, Verkehrsexperte des Wuppertal-Instituts«
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Doppeltes Framing: Das Thema Pendlerpauschale wird vom @DLF als »KlimaKILLER« und als Möglichkeit zum Defizitausgleich im Bundeshaushalt eingeführt. Der Moderator fragt dann seinen Interviewpartner, ob die Pendlerpauschale klimaschädlich sei.
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Mobilitätsforscher Koska bezieht sich in seiner Antwort auf eine vage politische Einschätzung des Umweltbundesamts zu mutmaßlich zusätzlich entstehenden Emissionen von 4 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr.
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Einordnung: Das Umweltbundesamt gibt an anderer Stelle an, dass die gesamten Emissionen im Verkehr in der Größenordnung von 150 Mio Tonnen CO₂ pro Jahr liegen. Es geht also um weniger als 3 % Emissionsreduzierung über einen langen Zeitraum. https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/klimaschutz-im-verkehr
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Der Mobilitätsexperte unterstellt, dass man um so mehr Steuererstattung erhalte, je weiter man fahre. Das ist nur die halbe Wahrheit: Man kann nur einen Weg anrechnen lassen. Die Kosten des Rückwegs trägt man selbst – und sie liegen mit dem Pkw weit über der Pendlerpauschale.
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Es folgte auch noch die Aussage des Mobilitätsexperten, wonach die Entfernungspauschale die Zahl der Tage im Home-Office reduzieren würde. Wer kennt es nicht? Ganz bestimmt nimmt jemand weite Wege, Wegzeiten und höhere Kosten für einen kleinen Steuer»vorteil« in Kauf ;-)
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Hören Sie das bitte unbedingt in den ersten drei Minuten des Interviews nach – Sie glauben es sonst nicht ;-) https://www.deutschlandfunk.de/klimakiller-pendlerpauschale-interview-mit-thorsten-koska-verkehrsexperte-d-dlf-ec2fa55e-100.html
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Hier erfahren Sie, was Ihnen @DLF und @Wupperinst nicht so gern sagen: Das Statistische Bundesamt @Destatis hat eine Statistik zur Pendlerpauschale und zu den zurückgelegten Entfernungen veröffentlicht (Datengrundlage vor der Pandemie): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/08/PD22_N050_73111.html
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Hier erfahren Sie mehr über die Pendlerpauschale und die steuerlichen Auswirkungen: https://www.vlh.de/arbeiten-pendeln/pendeln/die-pendlerpauschale-fuer-einsteiger.html
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Der Deutschlandfunk hat den Titel intransparent geändert, aber dieser Screenshot zeigt, dass da wirklich »Klimakiller« stand:
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Der Preismonitor von @Destatis zur Mobilität zeigt: Die Pendlerpauschale ist kein ANREIZ, sondern sie mindert allenfalls die stark gestiegenen Kosten des Pendelns. https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Preismonitor/Preismonitor.html#248426